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Der "Genji-Roman" ist
ein Abbild der Heian-Epoche, die
in Japan als Goldenes Zeitalter gerühmt wird. Benannt ist sie nach Heian-kyo -
heute Kyoto -, der damaligen Hauptstadt des Landes. Dort blühte um die
Jahrtausendwende eine höfisch-elegante Kultur, der das Abendland wenig Vergleichbares entgegenzusetzen hatte.
Die ganze Passion dieser Adelsgesellschaft galt - außer der Liebe -
der Literatur und Musik. Die japanische Kultur steht ja fast seit ihren
Anfängen im Zeichen der Poesie. Die von allen geübte Fertigkeit des
Dichtens ermöglichte es, auch scheinbar Alltägliches in den
Bereich der Kunst zu erheben. Außer von Poesie, ist im Genji-monogatari so viel von Musik die Rede,
dass er nicht zu Unrecht als den <<großen Musikroman Japans>>
bezeichnet worden ist.
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Lausch ich dem Winde, der auf dem Miyagi-Feld den Tau zusammenfegt, so
gedenke besorgt ich der jungen Hagi-Blüte dort.
Mit diesen Worten wird Genji, die Hagi-Blüte, ins Leben entlassen, er, der
Kaisersohn, der "leuchtende Prinz", der selbst niemals Kaiser
werden kann, da seine, schon früh verstorbene, Mutter nur eine der
Nebenfrauen des Kaisers war.
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"Der leuchtende Genji" - nun, allein der Name klang so großartig,
in Wirklichkeit tadelte die Welt seine vielen Fehler, sie war sogar bereit,
der Nachwelt die Kunde von seinen Liebesabenteuern zu überliefern und
plauderte selbst seine Geheimnisse aus, die er, um sein Ansehen besorgt, ängstlich
wahrte - oh, wie furchtbar ist doch die Geschwätzigkeit der Menschen!
Damit umreißt Murasaki Shikibu das Thema ihres Romans: Der
"leuchtende Genji" und seine Liebesabenteuer stehen im Mittelpunkt. Die Liebesabenteuer Genjis sind ein
Spiegel der höfischen Welt am Kaiserpalast zu Heian.
Die umworbenen Genji-Frauen,
sie leben streng abgetrennt von den Männern, tragen schöne, reich verzierte Gewänder,
die den Körper eher verbergen als offenbaren. Die Farbenpracht des
Obergewandes strahlt erotische Anziehungskraft aus, ebenso das "oshidashi",
der kokett heraushängende Ärmel, über den die Männer in Verzückungen
geraten können. Immer wieder muss
Genji Wandschirme, Schiebewände, Vorhänge, ganze Trupps von überwachenden
und schwatzhaften Dienerinnen überwinden, wenn er zu seinen Geliebten
gelangen will. Doch immer wieder gelingt es dem Prinzen, hinter den Wandschirm zu
gelangen. Klar, was trennen und abschirmen soll, lockt eher zu spannenden, erregenden Erlebnissen. Der Wandschirm, ein Verbot, das
verletzt werden will.
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